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31. Januar 2026

Abschied aus dem Prona-Team – ein neuer Weg zweigt ab

«Nach vielen spannenden Jahren und gemeinsamen Projekten verabschiede ich mich Ende Januar 2026 in den vorzeitigen Ruhestand. Mein herzlicher Dank gilt allen Kundinnen und Kunden, Mitarbeitenden und Geschäftspartnern für ihr Vertrauen, die Unterstützung und Zusammenarbeit. Die Prona AG bleibt in starken und zuverlässigen Händen.» Ein letztes Editorial des allerersten Angestellten der Prona AG.

Im September 1991 begann meine berufliche Reise bei der Prona AG. Als junger Bauingenieur mit grossem Interesse am Umweltschutz startete ich bei der damals neu gegründeten Prona AG als erster Mitarbeiter. Meine Aufgabe bestand darin, das Unternehmen aufzubauen und zu entwickeln. Knapp 35 Jahre später ist es nun Zeit, einen neuen Weg einzuschlagen. Dies ist ein Rückblick auf meinen bisherigen Berufsweg.

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Präsentation der Umweltabklärungen im Rahmen des SÜL Verfahrens (2017). – Ich in Aktion

Viele Rahmenbedingungen, Gesetze und Verordnungen im Bereich Umweltschutz waren damals neu – so zum Beispiel die Umweltverträglichkeitsprüfungs-Verordnung. Als Bauingenieure trugen wir bei der Realisierung von Bauprojekten die Verantwortung, diese möglichst umweltschonend umzusetzen und die Auswirkungen aller Bau- und Betriebsphasen so verträglich wie möglich zu gestalten. Umweltschutz-, Ersatz- oder Ausgleichsmassnahmen mussten definiert werden. Diese Arbeit empfand ich als sehr erfüllend, auch wenn ich teilweise hart mit Beteiligten und Bauherrschaften verhandeln musste. Die Berücksichtigung von Umweltanliegen steckte damals noch in den Anfängen. Es gab kaum Anhaltspunkte oder Vergleichsgrössen zur Beurteilung von Umweltauswirkungen. Entsprechend entwickelte ich meine Arbeit nach dem Sprichwort: «Wer nicht ins Wasser geht, kann auch nicht schwimmen lernen.» Im Laufe der darauffolgenden Jahre wurden einige Vollzugshilfen publiziert, die eine einheitlichere Anwendung von Massstäben bei der Definition von Umweltschutzmassnahmen ermöglichten.

Als grosses Lehrstück betrachte ich rückblickend die Bearbeitung eines Teilprojekts der Lötschberg-Basislinie . Bei der Projektierung des Autoverlads in Heustrich (1991–1994), der letztlich nicht realisiert wurde, lernte ich nicht nur viel über einzelne Fachbereiche des Umweltschutzes. Auch die Arbeit in einem sehr grossen, kantonsübergreifenden Projekt mit komplexer Struktur war für mich neu. Dabei handelte ich nach dem Sprichwort: «Ein Mensch, der noch nie einen Fehler gemacht hat, hat noch nie etwas Neues ausprobiert.» Ich konnte aus Fehlern lernen und zugleich Erfolge erzielen, die mich motivierten. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir eine Projektpräsentation im Wallis, bei der ich als 28-jähriger Projektleiter vor einem grossen Publikum aus kantonalen Verwaltungen und Bundesbehörden die Erkenntnisse aus der Umweltberichterstattung präsentieren durfte.

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Fotomontage der nicht ausgeführten Autoverladestation Heustrich der Lötschberg-Basislinie (ca. 1993). Gezeichnet vor 30 Jahren auf einem Foto. – Aus dem Archiv der IRB Ingenieurgemeinschaft Romandie-Berner Oberland

Als Leuchtturmprojekt bezeichne ich unsere Arbeiten rund um das Wasserkraftwerk Hagneck. Erste Studien wurden 1996 realisiert. Aus umweltfachlicher Sicht abgeschlossen wurde das Projekt erst nach der Inbetriebnahme des Kraftwerks mit der Erfolgskontrolle der Umweltschutzmassnahmen im Jahr 2018.

1996 WKW Hagneck Wehr Nachher 2018
Neubau Wasserkraftwerk Hagneck mit Umgehungsgerinne (Fischbach). – Simon Bohnenblust, Prona AG
1996 WKW Hagneck GestaltugsBAU 2012 rotated
Neubau Wasserkraftwerk Hagneck, Luftbild des Umgehungsgerinnes (Fischbach). – Simon Bohnenblust, Prona AG

Ein weiteres prägendes Projekt für Prona war die Expo.02. Mit den Arbeiten rund um die Arteplagen – insbesondere mit dem damaligen Generalunternehmer Batigroup – begann ein starkes Wachstum. In den folgenden Jahren kamen neue Fachbereiche hinzu. So trat im Jahr 2000 die Bauarbeitenverordnung in Kraft, was den Aufbau des Fachbereichs Arbeitssicherheit nahelegte und auch im Rahmen des Expo.02 Projektes die ersten Aufträge bearbeitet werden durften. Später folgten Bauphysik und Brandschutz. Heute bearbeitet ein interdisziplinäres Team zwölf Fachbereiche.

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Begleitung der Baurealisierung der Arteplage Biel der Expo.02. – Ich.

Die Wege wurden vielfältiger – ebenso die Anzahl Mitarbeitenden, die ich auf diesem Weg begleiten, fördern und kennenlernen durfte. Dabei war es mir stets ein Anliegen, gemäss folgendem Leitsatz zu handeln: «Behandle Menschen so, als wären sie, was sie sein sollten, und du hilfst ihnen zu werden, was sie sein können.» Viele dieser Menschen sind mir bis heute in guter Erinnerung geblieben.

Nun ist für mich der Moment gekommen, vom Prona-Weg abzubiegen. Nach 35 Jahren trete ich Ende Januar 2026 aus dem aktiven Berufsleben zurück und gehe in einen vorzeitigen Ruhestand. Ein bedeutender Lebensabschnitt geht zu Ende, und ich blicke auf zahlreiche Erlebnisse und Begegnungen zurück – mit Menschen in ganz unterschiedlichen Rollen, mit denen ich ein Stück des Weges gemeinsam gehen durfte. Manchmal war dieser Weg steil, manchmal holprig, manchmal lang und voller Umwege. Aber stets sehr lehrreich und vor allem geprägt von einem positiven Miteinander.

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Landschaftsgestaltung Tunnelportal Buechiwaldtunnel, 2011 – Peter Steiger, Prona AG

Geblieben sind nicht nur Erinnerungen an Menschen, sondern auch an Bauwerke, an deren Entstehung ich mitwirken durfte. Noch heute berührt es mich, wenn ich mit dem Velo über das Wehr in Hagneck fahre, mit dem Auto den Ostast der Autobahn N5 Umfahrung Biel benutze oder mit dem Zug durch den Buechiwaldtunnel nach Grindelwald reise. Oft kommen mir dabei auch die Menschen und Geschichten jener Zeit in den Sinn.

Ziele werden nicht erreicht, indem man alles exakt plant, sondern indem man den Mut hat, loszugehen

Die Prona AG wurde vor zwei Jahren von einer Gruppe langjähriger Mitarbeitenden übernommen. Es freut mich sehr, mein Lebenswerk an ein kompetentes, motiviertes und aufgeschlossenes Team weitergeben zu können, das sich auf einem guten Weg befindet. Ich bin sicher, dass sich unsere Wege immer wieder kreuzen werden.

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Neues Inhaberteam – Prona AG

Ich wünsche allen weiterhin alles Gute und viel Freude auf ihren Wegen – ob sie nun flach oder holprig sind. Ganz nach dem Sprichwort von Laotse: «Die längste Reise beginnt mit dem ersten Schritt.» Oder wie ich gelernt habe: «Ziele werden nicht erreicht, indem man alles exakt plant, sondern indem man den Mut hat, loszugehen.»

Christian Stampfli