Beim Thema Ergonomie denken viele zuerst einzig an die Arbeit. Es geht bei der Ergonomie um das Gestalten und Anpassen der Arbeitsbedingungen und -anforderungen an die Bedürfnisse und Fähigkeiten des Menschen. Also darum, unsere Umgebung und Mittel, mit denen wir zu tun haben, optimal auf uns einzustellen und für genügend Haltungswechsel und auf sinnvolle Arbeitsprozesse zu achten. Es ist jedoch zu kurz gedacht, Ergonomie nicht auch zum privaten Umfeld mit den dortigen Bewegungen und Lebensverrichtungen in Verbindung zu bringen.
Richten wir unser Augenmerk doch einmal auf den Alltag. Bewegungsmangel und zu häufiges und langes Sitzen sind in der Ergonomie wichtige Themen. Heute liest oder hört man oft «Sitzen ist das neue Rauchen». Seit mehr als 20 Jahren untersuchen Ärzte und Wissenschaftler die tödlichen «vermeidbarem» Folgen von Bewegungsmangel.
Die Berner Fachhochschule führte 2022 im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit BAG eine Studie zu Todesfällen und verlorenen gesunden Lebensjahren aufgrund Bewegungsmangel in der Schweiz durch. Bewegungsmangel wurde definiert als weniger als 150 Minuten Bewegung mit mittlerer Intensität oder weniger als 75 Minuten Bewegung mit hoher Intensität pro Woche (nach hepa.ch). Das Resultat: im Jahr 2022 waren in der Schweiz mehr als 52’000 verlorene gesunde Lebensjahre, sogenannte disability adjusted life years (DALYs), auf Bewegungsmangel zurückzuführen. Zudem wurden 1621 Todesfälle dem Risikofaktor Bewegungsmangel zugeschrieben, was 2.2 Prozent aller Todesfälle entspricht. Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Demenz und Krebs sind besonders stark mit Bewegungsmangel verbunden. Besonders betroffen sind Frauen und Personen über 75 Jahren (siehe nachfolgenden Link zum Faktenblatt).

Durch eine gute Körperhaltung nehmen Sie den Druck von verschiedenen inneren Organen, den Bandscheiben, Bändern und Knochen. Eine freie Atmung wird ermöglicht.
In der Ergonomie wird auf sinnvolle Haltungen und Bewegungsabläufe geachtet. Der menschliche Körper ist für ein Leben mit Bewegung programmiert. Ohne Bewegung können sich unser Skelett, die Muskulatur und die inneren Organe nicht ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgen. Es gibt keine Haltung, die auf Dauer guttut. Genügende Haltungswechsel und massvolle Bewegung tragen wesentlich zur Gesundheit bei.
In den letzten Jahren nehmen viele von uns, seit es das Handy gibt, die leicht gebückte Haltung nach vorne mit der Blickrichtung nach unten mehrmals täglich ein. Diese Haltung belastet einerseits die Halswirbelsäule mit einem Gewicht von ca. 27 kg, indem der Neigungswinkel des Kopfes 60° beträgt. Andererseits kann diese Körperhaltung auch auf mit unserem seelischen Empfinden in Verbindung stehen. Es ist – ohne Handy – die Körperhaltung, die wir einnehmen, wenn wir traurig sind, und kann möglicherweise bedrückende Gefühle verstärken.
Die Körperhaltung mit geradem Rücken, aufgerichtetem Körper und der Öffnung im Herzbereich mit nach hinten gezogenen Schultern stellt die bekannte «Siegerpose» mit erhobenen Armen dar. Das Atmen fällt dabei leichter und diese Haltung schont die Bandscheiben und kann zuversichtliche Gefühle wecken.

Wenn wir wissen, dass jede Körperhaltung auch das seelische Empfinden beeinflussen kann, dann können wir uns dies zunutze machen. Wer an seiner Körperhaltung arbeiten möchte, sollte Phasen einseitiger Belastung in Alltag und Beruf erkennen und durch gezielte Bewegungen unterbrechen. Auch spezielle Übungen für eine bessere Körperhaltung bieten sich an. Schauen Sie sich unser unte verlinktes Ergonomieblatt und den Beitrag «Körperhaltungen verbessern» an. Sie finden darin verschiedene Körperübungen, die sich gut zwischendurch in den Arbeitsalltag integrieren lassen.
Wir hoffen, Sie mit diesen Informationen und Tipps zu mehr Haltungswechseln und Bewegung zu motivieren.
Titelbild: Siegerpose – Öffnung Brustbereich erleichtert Atmung und weckt postive Gefühle – Brooke Balentine auf Unsplash
Gerne unterstützen wir Sie bei Ihren ergonomischen Anliegen, um zur Gesundheitsprävention beizutragen. Wir prüfen Arbeitsplätze, sensibilisieren und schulen Personal bezüglich gesundem Verhalten, leiten Körperübungen an und geben sinnvolle Tipps zur Optimierung von Arbeitsbedin-gungen.