Skip to content
25. Juli 2022
 – 
Natur und Landschaft

Gefährdete Quendelschnecken werden während Bauphase umgesiedelt

Sie sind klein, weiss und werden leicht übersehen. Die gefährdeten Quendelschnecken wurden bei der Brücke in St. Johannsen entdeckt und mussten vor den Instandstellungsarbeiten umgesiedelt werden. Bei Bauende werden die Tiere wieder zurück an ihren ursprünglichen Ort gebracht. Die verantwortlichen Fachpersonen für die Umweltbaubegleitung der Prona planten und begleiteten die Umsiedlung vor Ort.

So lebt die Quendelschnecke

Die Weichtiere bevorzugen einen besonnten, trockenen und offenen Lebensraum. Bei warmen Temperaturen haften die Schnecken an Grashalmen und Pflanzen (Weisser Mauerpfeffer und Aufrechte Trespe) und entgehen so der Hitze am Boden. Sinken die Temperaturen jedoch unter 0° Celsius, vergräbt sich das Tier 1-2 cm tief in den Boden. Die Quendelschnecke hat zwei Fortpflanzungsperioden im Jahr: von März bis Mai und von Ende August bis Mitte November. Sie legen 22 bis 56 Eier in einen selbst gegrabenen Hohlraum in der Erde. (Quelle: Vogelwarte.ch, 22.04.2022)

Vergrabene Schnecken im Oberboden

Durch die Bauarbeiten an der Brücke würde der Lebensraum der sensiblen Tiere zerstört werden.

Die Brücke St. Johannsen wird im Sommer 2022 instand gestellt.
Die Brücke St. Johannsen wird im Sommer 2022 instand gestellt.
Bisheriger Lebensraum der Quendelschnecke bei der südlichen Böschung der St. Johannsen Brücke
Bisheriger Lebensraum der Quendelschnecke bei der südlichen Böschung der St. Johannsen Brücke

Vorbereitung Zwischendepot

Durch die Bauarbeiten an der Brücke würde der Lebensraum der sensiblen Tiere zerstört werden. Um dies zu verhindern, wurden die Schnecken mitsamt ihrem Lebensraum für die Dauer der Baustelle in ein Zwischendepot umgesiedelt. Zusammen mit der Bauleitung und Bauunternehmung wurde vor Ort ein geeigneter Standort ausgemacht und die nötigen Massnahmen für die Umsiedlung der gefährdeten Weichtiere besprochen. Wichtig war, dass die ausgewählte Stelle nicht von Bäumen überschattet wird, gut besonnt in der Böschung liegt und vor Störungen der Bauarbeiten geschützt ist. Auf der für das Schnecken-Zwischendepot ausgewählten Fläche (ca. 60 m2) wurde mit dem Bagger eine etwa 20 cm tiefe Bodenschicht abgetragen. Das Material wurde anschliessend auf der Seite zwischengelagert, um später wieder in die Böschung eingebracht zu werden.

UMSIEDLUNG VOR ORT

Da die Schnecken zum Zeitpunkt der Umsiedelung bereits ihre Schlupflöcher im Boden verlassen hatten, sammelte Prona von Hand ca. 175 Tiere von Gräsern und Pflanzen ab. Danach wurde der Oberboden samt verbliebener Schnecken und Pflanzen mit dem Bagger ausgehoben und zum vorbereiteten Standort transportiert. Zusätzlich wurden sämtliche Pflanzen des weissen Mauerpfeffers, welche nicht mit der Baumaschine entnommen werden konnten, von der Umweltbaubegleitung mittels Schaufel ausgestochen und in der neuen Umgebung eingepflanzt. Um die Schnecken vor Störungen zu schützen, wurde das Zwischendepot abgesperrt. Dort bleiben die Schnecken, bis Ende 2022 der Boden samt Schnecken wieder an ihrem bisherigen Standort eingebaut wird. Prona AG begleitet die Massnahmen weiterhin und führt Wirkungs- und Erfolgskontrollen durch.

Der Bagger legt den Boden mit den Schnecken vorsichtig auf das Zwischendepot
Der Bagger legt den Boden mit den Schnecken vorsichtig auf das Zwischendepot
Übersicht der Umsiedlung
Übersicht der Umsiedlung
bohnenblust_simon_farbig

Benötigen auch Sie eine Umweltbaubegleitung für Ihr Bauvorhaben oder Unterstützung bei der Planung und Umsetzung von Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen? Profitieren Sie für Ihre Herausforderungen von unseren vielfältigen Ressourcen. Wir führen unsere Aufträge mit einem breit gefächerten Team aus Umwelt-Spezialisten aus und können so Wissen aus verschiedenen Fachbereichen anbieten. Durch unser Qualitätsmanagement arbeiten wir fachlich einwandfrei, termingerecht und kostenbewusst.

Kontaktieren Sie uns für Ihr Projekt. Wir unterstützen Sie als Auftraggeber optimal, massgeschneidert und individuell.

Simon Bohnenblust
Dipl. Umweltnatur­wissenschafter ETHZ