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11. Januar 2022
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Natur und Landschaft

Banketthalterungen von Eisenbahnanlagen als Chance für die Umwelt?

Banketthalterungen können bei Böschungen und Stützmauern zur Stabilisierung entlang von Strassen und Bahnlinien eingesetzt werden. Ihre Erstellung ist oft mit einer Verbreiterung der Fahrbahn verbunden und kann damit angrenzende Lebensräume beeinträchtigen. Prona AG zeigt, wie mit solchen Eingriffen in die Natur umgegangen werden kann und wo die Chancen liegen.

Was sind Bankette und Banketthalterungen?

Banketthalterungen unterstützen diese Funktionen und werden oft für Bahntrasseentwässerungen oder talseitige Böschungssicherungen verwendet. Dabei gibt es verschiedene Halterungssysteme aus Beton oder Winkelgittern. Die Korngrössen sowie die Maschen der Winkelgitter können dabei in der Ausführung variieren. Im ersten Bild anbei ist die Erstellung eines Rüglei-Systems zu sehen. Die Winkelgitter werden hierbei mit Schotter aufgefüllt. Das zweite Bild zeigt ein Rüglei-System in Betrieb.

Ein Bankett schliesst eine Fahrbahn am äusseren seitlichen Rand ab und ist seitlich oft durch eine Böschung begrenzt. Es besteht aus Kies und Kiesgemisch und übernimmt unterschiedliche Funktionen wie z.B. Dienstweg, Fluchtweg, Abstellfläche oder Aufwuchsbremse.

Vorteile im Bahnbetrieb

Mit Banketthalterungen wird das Schotterbett stabilisiert. Insbesondere in Tallagen wird so ein Entweichen des Schotters verhindert. Gleichzeitig wird auch ein Absinken der Kabelkanäle, welche entlang der Fahrbahn verlaufen, abgewendet. Mit der Stabilisierung der Bankette ist auch eine stolperfreie Begehung für das Bahnpersonal und damit mehr Sicherheit für den gesamten Bahnbetrieb gegeben. Die Halterungssysteme sind einfach zu unterhalten.

Beurteilung für die Umwelt

Durch die rückhaltende Wirkung der Banketthalterungen, kann der Schotter nicht mehr in angrenzende Äcker abrollen. Es wird so eine klare Abgrenzung zum umliegenden Kulturland geschaffen. Weiter kann auch ein geringerer Pflanzenwuchs im Schotterbett beobachtet werden, womit weniger Pestizide eingesetzt werden müssen. Dies ist vor allem bei der Entwässerung der Gleisanlage in die anliegenden Landwirtschaftszonen relevant. Denn der Aufbau von Banketthalterungen führt auch zu einer effizienteren Entwässerung bei Niederschlag.

Bei der Erstellung von Banketthalterungen wird oft die Fahrbahn verbreitert. Dadurch gehen, vor allem bei direkt angrenzenden schützenswerten Lebensräumen, Flächen der Natur verloren und somit auch ökologischer Wert. Dies wird besonders relevant, wenn Banketthalterungen über mehrere Kilometer gebaut werden.

Werden beim Bau von Banketthalterungen Betonwände verwendet (System Ribbert, erstes Bild anbei), bilden die Wände eine unüberwindbare Barriere für Reptilien, Amphibien und Kleintiere. Reptilienoptimierte Ausführungen des Rüglei-Systems mit grösseren Bruchsteinen statt Schotter und weitmaschigen Eisengittern (zweites Bild) oder Steinkörbe bieten hingegen Lebensräume für bis zu sechs Reptilienarten („Fotografische Kurzdokumentation, Strassen- und Eisenbahnbau: Technische Lösungen für Reptilien“, karch, 2018). Das Rüglei-System mit einer maximalen Höhe von 95 cm lässt sich optisch gut in die Landschaft integrieren.

Unsere Leistungen

Die Spezialisten von Prona dokumentieren für entsprechende Projekte Lebensräume, Flora und Fauna der angrenzenden Gebiete durch Feldbegehungen. Zusammen mit der Koordinationsstelle für Amphibien- und Reptilienschutz der Schweiz (karch), in Gesprächen mit der Bauherrschaft und den Ingenieuren definiert Prona situative Umweltmassnahmen zur Kompensation.

Fallbeispiel MOB im Berner Oberland

Die Compagnie du Chemin de fer Montreux Oberland Bernois SA (MOB) hat an der Bahnlinie zwischen Zweisimmen und Gstaad über mehrere Kilometer Banketthalterungen mit dem Rüglei-System für ihren zukünftigen Betrieb erstellt. Als Ausgleichs- und Ersatzmassnahmen für die Lebensraumverluste wurden mit Kleinstrukturen wie Steinhaufen und Steinriegel an besonnten Standorten in Rossinière und Saanen neue Lebensräume für Kleintiere geschaffen. Diese Biotope sind mit einer jährlichen Entbuschung pflegeleicht im Unterhalt. Zusätzlich können aus dem Schnittgut, welches bei Rückschnitten von Sträuchern im Fahrbahn-Unterhalt entsteht, vor Ort Asthaufen gebildet werden. Die Haufen vervielfältigen die Lebensräume für Kleintiere zusätzlich und bieten ihnen eine Nahrungsquelle vor der Haustüre: im absterbenden Holz finden sich viele Insektenlarven, die ihnen als Nahrungsgrundlage dienen.

Steinriegel entlang Tunnelwand bei Tunnelausfahrt Saanen, als Ausgleichs- und Ersatzmassnahme (MOB, 22.11.2021)
Steinhaufen östlich der Tunnelausfahrt Saanen als Ausgleichs- und Ersatzmassnahme (MOB, 22.11.2021)
Steinhaufen bei Rossinière am Lac du Vernex als Ausgleichs- und Ersatzmassnahme (MOB, 22.11.2021)
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Simon Bohnenblust
Dipl. Umweltnatur­wissenschafter ETHZ